Engelbergplatz 3 – Familie Emil Lindenberg

Engelbergplatz 3 – Familie Emil Lindenberg

  • Emil Lindenberg
  • Margarete (Grete) Lindenberg, geb. Lewin
  • Gertrud Lindenberg
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Der drittälteste Sohn von Salomon Lindenberg, Emil (1874-1942), war nicht im Textilhandel tätig, sondern machte sich vor 1900 als Dentist selbstständig. Er zog vom Haus seiner Eltern, dem Lindenberg’schen Geschäftshaus Bahnhofstr. 53 (alte Nummer Nr. 62/63), in das Haus Engelbergplatz 38 (alte Nummer 48 am Centralplatz). Dort betrieb er auch seine Praxis. Im Jahr 1903 heiratete er Margarete (Grete), geb. Lewin (1876-1942) aus Strelitz, eine Verwandte seiner Stiefmutter Elise. 1) 2) 3)

Vor dem Lindenberg’schen Geschäftshaus: Hugo, Salomon und Emil Lindenberg, um 1910. 4)

Das Hoyaer Wochenblatt schrieb am 07-07-1928:

Silberhochzeit feiert am Montag das Emil Lindenberg’sche Ehepaar hierselbst. Durch die Liebe und Hochachtung, welche das Jubelpaar im Umkreise genießt, wird es an Ehrenbezeugungen nicht fehlen.

Grete und Emil bekamen die Kinder Werner (1906 – 1925), Alice (1908 – 1923) und Gertrud (*1916). Leider verstarben Werner und Alice in den 1920er Jahren als Teenager kurz hintereinander. 5)

Grete Lindenberg mit den Kindern Werner, Alice und Gertrud, um 1915. 6)

Die Praxis lief gut und Emil Lindenberg wurde ein wohlhabender Mann. In den 1930er Jahren besaß er das Lindenberg’sche Geschäftshaus, das Haus am Engelbergplatz 3, und fünf Grundstücke (Garten, Weide, Acker, Bauland).

Die jüngste Tochter Gertrud besuchte die Realschule in Hoya. Eine Schulfreundin berichtet, dass Gertruds Eltern modern und gebildet waren, im Kontrast zu den eher ländlichen Haushalten, die sie gewohnt war. Emil und Grete waren belesen und hatten eine Bibliothek im Haus. Laut Zeitzeugin lebten sie nicht traditionell jüdisch. 7) 8)

Hugo und Emil Lindenberg (rechts), 1920er Jahre. 9)

Emil Lindenberg war ein typischer Vilser Bürger seiner Zeit und in verschiedenen Vereinen aktiv: Als Major im 1. Weltkrieg war er Vorstandsmitglied im Kriegerverein, der sich um 1914 in Appelhoffs Saal traf. Am 6.1.1914 wurde er dort zum Kassenführer gewählt. Und laut einem Vereinsprotokoll von 1922 wurde er „auf Zuruf einstimmig“ in sein Amt wiedergewählt. Wahrscheinlich war er auch im VVV und förderte diesen intensiv. 10) 11) 12) 13)

Emil Lindenberg auf Zuruf einstimmig wiedergewählt, Kriegerverein Vilsen, Januar 1922. 14)

Ein Zeitzeuge berichtet, dass Emil Lindenberg ein Freund von Blasmusik war und dass er beim Schützenfest von der Kapelle Nordhausen immer das Lied Barcelona bestellte, ein Lied, das noch in den 1970er Jahren in den Zelten auf dem Brokser Markt gespielt wurde 15)

Der Aufstieg der NSDAP

Darüber, wie die Familie Lindenberg den Aufstieg der Nationalsozialisten in Vilsen erlebte, kann nur spekuliert werden. Ein Vorfall im Schlagballverein im Jahr 1924 könnte sich auf den Sohn Werner beziehen, der zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt war:

Vilsen (Ungehörig) [Hoyaer Wochenblatt 13.8.1924]

Bislang wurden wir mit Rassenkämpfen verschont. In Eintracht lebte und arbeitete unsere gesamte Einwohnerschaft nebeneinander und ein jeder achtete und ehrte den anderen. Eine Störung dieser schönen Verhältnisse entwickelte sich im Schlagballverein. Dort meldete sich ein junger Mann, jüdischen Glaubens zum Beitritt. Vielen war es lieb und angenehm, einigen nicht. Es wurde eine außerordentliche Generalversammlung einberufen und über die Aufnahme des sportliebenden Jünglings verhandelt. Vernünftigerweise entschied sich die übergroße Mehrheit für die Aufnahme. Damit hätte die Angelegenheit erledigt sein sollen. Leider nicht. Die Minderheitsgruppe erklärte ihren Austritt und zwar mit der Begründung, dass die Beteiligten als Mitglieder des jungdeutschen Ordens in keine Gemeinschaft mit Semiten treten dürften! Es ist bedauerlich, dass die Leistungsfähigkeit unserer so tüchtigen Schlagballspieler durch solche Kindereien beeinträchtigt wird. 16)

1924 wurden antisemitische Aktivitäten im Ort also noch als „Kindereien“, die es bisher in Vilsen nicht gegeben hatte, wahrgenommen, eine Wahrnehmung, die sich aber bald verändert haben dürfte.

Emil Lindenbergs Wohnhaus und Praxis, heute Engelbergplatz 3, 1923 (rechts). 17)

Erste größere NSDAP Propaganda-Veranstaltungen fanden in Vilsen bereits in den 1920er Jahren zwei Häuser weiter im Hotel Dörgeloh statt, wo bekannte Parteiredner sprachen. Direkt nebenan befand sich außerdem die Gaststätte „Hermann Meyer“ (Wohlers-Meyer), wo sich die SA und NSDAP-Frauenschaft mindestens ab 1933 trafen. Bei den Wahlen 1932 war der ganze Ort mit Hakenkreuzfahnen geschmückt, wie das Hoyaer Wochenblatt erfreut berichtet. Spätestens 1932 rief die NS-Frauenschaft des Kreises bei einer Veranstaltung in Vilsen auch zum Boykott gegen „nicht-christliche“ (=jüdische) Geschäfte auf. Der Boykott wurde im Umland mitgemacht und hatte zur Folge, dass die Kunden zwar bei jüdischen Geschäften kauften, aber ihre Rechnungen nicht bezahlten. 18) 19)  20)

Dies könnte der Grund sein, warum die Lindenbergs schon früh ihre damals erst sechzehnjährige Tochter Gertrud zu Verwandten in die USA schickten, nämlich im Oktober 1933. Eine Schulfreundin aus Hoya berichtet von einem großen Abschiedsfest im Garten, bei der alle Schulkameraden dabei waren. Bis auf einen Nachbarsohn hatte niemand ein Problem damit, dass Gertrud jüdisch war. Gertrud machte ihren Realschulabschluss in Hoya am 4. April 1933. Drei Tage zuvor, nämlich am 1. April, standen deutschlandweit und wohl auch in Vilsen Boykottposten der SA vor jüdischen Geschäften. 21) 22)

Seine Arbeit als Dentist konnte Emil Lindenberg nach 1933 eventuell noch ausüben, da er als jüdischer Frontkämpfer des 1. Weltkriegs anfangs einen gewissen rechtlichen Schutz hatte. Allerdings richteten sich viele gesetzliche Regelungen früh gegen jüdische Ärzte, Zahnärzte und Dentisten, z.B. wurde ihnen die Krankenkassenzulassung entzogen.

Otto, Emil, Hugo und Richard Lindenberg, Hugos Söhne im Hintergund, ca. 1935 23)

Ein Zeitzeuge berichtete in den 1990er Jahren, dass er 1935 auf Anweisung zweier SA-Männer antijüdische Plakate in seinem Schaufenster in der Sulinger Strasse ausgehängt hatte: „Noch heute sehe ich die gute Frau Lindenberg weinend vor mir stehen.“ 24)

Die Familien von Emil Lindenbergs Brüdern Richard und Hugo wanderten in den Jahren 1935, 1936 und 1938 mit insgesamt 7 Personen von Vilsen über Bremen in die USA, bzw. über Hamburg nach Argentinien, aus. Es wäre denkbar, dass der Gewinn aus zwei Grundstücken, die Emil Lindenberg jeweils wenige Monate zuvor verkaufte, dazu diente, ihre teuren Schiffspassagen und die fällig werdenden hohen Auswanderer-Abgaben zu finanzieren. 25) 26) 27)

Im Mai 1937 war Emil Lindenberg gezwungen, die Meldelisten der Synagogengemeinde Bruchhausen-Vilsen, die sich in seiner Verwahrung befanden, an Bürgermeister Schirmer zu übergeben. Diese wurden nach Hannover geschickt, um dort in Zukunft der „Judenforschung“ zu dienen. 28)

Übergabe der Synagogenlisten an die NSDAP, Unterschriften von Emil Lindenberg und Bürgermeister  Schirmer 29)

1935, dem Jahr, in dem die Nürnberger Gesetze erlassen wurden, hielt sich Gertrud in Vilsen auf. Wollte sie ihre Eltern nachholen? Allerdings nahmen die USA zu diesem Zeitpunkt kaum noch Emigranten auf. Auch die Familie seines Bruder Hugo emigrierte 1938 nach Argentinien, nicht in die USA. Ein weiterer möglicher Grund für eine verzögerte Emigration geht aus einem Brief hervor, den Emil Lindenberg Anfang 1939 an die Devisenstelle in Hannover schrieb: Seine Frau sei seit Anfang 1937 nervlich erkrankt, und er könne deshalb an eine Auswanderung noch nicht denken. 30) 31)

Im Verlauf des Jahres 1938 muss Emil und Grete Lindenberg aber klar geworden sein, dass die Zeit drängte: Kurz zuvor war die jüdische Viehhändlerfamilie Hanau durch eine Kreditkündigung mehr oder weniger enteignet worden. Ab Anfang 1938 mussten Juden reichsweit ihr Privatvermögen detailliert in Fragebögen angeben, sie hatten allerdings bis zum Sommer dafür Zeit. Im Mai 1938 verließen als letzte Verwandte die Familie von Hugo Lindenberg Vilsen. 32) 33)

Als letzte jüdische Mieter im Lindenberg’schen Haus in der Bahnhofstr. 53 blieben die Salomons, die wegen des Boykotts zahlungsunfähig waren und wohl keine Miete an den Hausbesitzer Emil Lindenberg zahlen konnten. In den Herbst 1938 fiel eine Denunziation im reichsweit erscheinenden Stürmer gegen die Putzfrau von Georg Salomon, Frau Sander, da sie noch „bei Juden“ putzte (siehe hier). 34)

Anzeige für Emil Lindenbergs Häuser Bahnhofstr. 53 und Engelbergplatz 3, Hoyaer Wochenblatt 13.8.1938 35)

Im Sommer 1938 wurden Emil Lindenbergs Häuser Bahnhofstr. 53 (alte Nummer 62/63) und Engelbergplatz 3 (alte Nummer 48) durch den Auktionator Engelberg im Hoyaer Wochenblatt zum Kauf angeboten. Ein Zeuge im Rückerstattungsverfahren gibt an, Emil Lindenberg habe eine Auswanderung geplant, und ihm sein Wohnhaus mit Praxis am Engelbergplatz Nr. 48 privat im Sommer 1938 zum Kauf angeboten. Dem Zeugen sei aber der Preis zu hoch gewesen. Das Haus Bahnhofstr. 53 wurde von Emil Lindenberg am 17.09.1938 (Auflassung 15.10.1938) an einen gegenüber wohnenden Kaufmann für 12.500 RM verkauft. Im Anschluss an den Hausverkauf benachrichtigte das Finanzamt Syke die Oberfinanzdirektion in Hannover, die daraufhin wegen Auswanderungsverdacht eine Vermögensaufstellung von Emil Lindenberg anforderte und die Information auch an die Gestapo in Hannover weitergab. 36)  37) 38)

Emil Lindenberg selbst schrieb im Oktober 1938 an das Finanzamt, dass er das Geld noch nicht für eine Auswanderung benötige, sondern für den Lebensunterhalt und eine Kur seiner erkrankten Frau. Sie könnten erst auswandern, wenn diese wieder gesund sei. Er benötige darum freien Zugriff auf das Geld. Nicht ganz klar ist, ob sein Konto zu diesem Zeitpunkt (6. Oktober 1938) bereits gesperrt war, oder ob er eine Sperrung erst befürchtete. Zum Verkaufspreis schrieb er: „Mein Wohnhaus [am Engelbergplatz], sehr [unleserlich], würde mir heute vielleicht 10.000 M einbringen können, ob jedoch dieser Betrag draus kommt, glaube ich nach den ungünstigen Erfahrungen, die ich mit dem Hausverkauf gemacht habe, nicht.“ 39) 40)

Brief von Emil Lindenberg an die Devisenstelle in Hannover, 6.10.1938 41)

Die Frage, ob er sein Geld für eine Auswanderung oder für andere Zwecke benötigte, war relevant, da die NSDAP zu diesem Zeitpunkt die Auswanderung von Juden forcierte, und darum zumeist für Reisekosten von Sperrkonten noch größere Beträge freigab. Geld für eine Kur wäre möglicherweise nicht freigegeben worden. Da beide Häuser im Sommer zum Kauf angeboten wurden, ist zumindest wahrscheinlich, dass eine Auswanderung geplant war.

Laut Meldekarte gelang es den Lindenbergs nicht mehr, die Geldfrage zu klären und Vilsen für eine Kur zu verlassen. Nur einen Monat später wurden in Folge des Pogroms vom 9./10. November alle Gesetze, die Juden betrafen, verschärft und eine freie Verfügung über den Besitz unmöglich gemacht. 42)

Novemberpogrom 1938

Im Zuge des reichsweiten Novemberpogroms vom 9./10. November 1938 wurden im Kreisgebiet, wie in ganz Deutschland, alle erwachsenen männlichen Juden verhaftet, und am 10. November mit einem Bus von Syke zunächst zum Bassumer Gefängnis und dann um 20:00 nach Hoya transportiert. Von dort wurden sie am gleichen Abend weiter über Hannover nach Buchenwald gebracht. Der Befehl dazu kam direkt von der SA-Gruppe Nordsee. Es sollten deutschlandweit besonders die wohlhabenden Juden verhaftet werden, da man sie mit dieser Aktion zur Auswanderung nötigen wollte. 43)44)

Wenn man den Aussagen in einem Nachkriegsprozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Kreisgebiet Glauben schenken kann, wurde Emil Lindenberg aber, obwohl durchaus wohlhabend, am 10. November in Vilsen nicht verhaftet. Der SA-Truppführer Lüssenhop und der SA-Sturmführer Hasselhop vom Sturm Bruchhausen gaben an, dass sie und einige SA Männer sich vormittags bei (Wohlers-)Meyer getroffen hätten. Lüssenhop habe angeblich den Männern gesagt, dass man „anständig“ bleiben wolle und den Befehl, Scheiben zu zerstören, nicht durchführen wolle. Danach seien sie nach nebenan zu den Lindenbergs gegangen, um Wertgegenstände und Waffen zu konfiszieren. Emil Lindenberg habe ihnen diese aus seinem Safe gegeben. Sie seien bei der örtlichen Sparkasse hinterlegt worden. Lüssenhop sagte weiter aus, dass er später von seinem Vorgesetzten, dem Sturmbannführer Meyer (Schwarme), getadelt worden sei, weil der den Pogrom nicht „richtig“ durchgeführt habe, d.h. es wurden keine Verwüstungen angerichtet und Emil Lindenberg wurde auch nicht verhaftet. 45)

Da der Bus mit den verhafteten männlichen Juden aus dem Kreisgebiet auf der Fahrt von Bassum nach Hoya am Abend des 10. November zwischen 20:00 und 21:00 über Bruchhausen-Vilsen gefahren sein muss, erscheint Lüssenhops Aussage zunächst unglaubwürdig. Sie wird allerdings teilweise dadurch gestützt, dass auf Emil Lindenbergs Meldekarte keine Abwesenheit für die Zeit danach registriert ist. Er taucht auch nicht in den entsprechenden Akten des KZ Buchenwald auf, während die Verhaftete aus dem Kreis, wie der kurz vorher nach Hoya gezogene Georg Salomon, dort registriert sind. 46)47)

1938 – 1942

Unmittelbar nach dem Pogrom, nämlich am 24. November 1938, liess der VVV, dem Emil Lindenberg selbst zuvor angehört hatte, bei der Gemeinde anfragen, ob man eines seiner Grundstück enteignen könne. Dieses Grundstück, der „Wiehegarten“ direkt an der Eisenbahn-Haltestelle, benötige der VVV zur Erweiterung der Badeanstalt. Ratsmitglied Hermann Meyer jun. teilte mit, man werde sich bei der Kreisleitung erkundigen. Der weitere Verlauf ist unklar. Grundsätzlich ging die NSDAP ab Ende 1938 deutschlandweit verstärkt gegen die sog. „wilde Arisierung“ vor, die im Zusammenhang mit dem Pogrom stattfanden. Entziehungen von jüdischem Besitz waren unerwünscht, weil dabei kein Gewinn für die Partei entstand. Laut Rückerstattungsakten wurde das Grundstück erst 1940 für 800,- RM an den VVV verkauft. 48) 49) 50)

Emil Lindenbergs Konto wurde am 22.12.38 gesperrt und er musste in Folge, wie alle Juden, „Sühneleistungen“ zahlen, wodurch sein Konto fast vollständig geleert wurde. Im Zug der verschärften Judengesetze bekam er außerdem ab 1939 die Auflage, seinen gesamten Besitz zu verkaufen. Käufer und Preise mussten von der Devisenstelle genehmigt werden. Inwieweit er dabei noch Einfluss auf die Auswahl der Käufer hatte, ist unklar. 51)

Insgesamt verkaufte er zwischen 1935 und 1941 fünf Grundstücke und zwei Häuser. Der verbliebene Hausrat seines Wohnhauses am Engelbergplatz wurde am 11.11.1941 um die Ecke bei Appelhoff im großen Saal durch den Auktionator Engelberg versteigert: insgesamt 148 Einzelposten, die einen Ertrag von 2003,70 RM brachten. Am gleichen Ort hatten zwanzig Jahre zuvor die Treffen des Kriegervereins stattgefunden.

Unklar ist der Verbleib der Praxisausstattung und der umfangreichen Bibliothek. Ein Buch aus dem Besitz von Grete Lindenberg wurde allerdings kürzlich in der „Judenbibliothek“ des berüchtigten Herausgebers des Stürmers, Julius Streicher, aufgefunden. Die Bibliothek wird heute in der Sammlung der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg verwahrt. 52) 53)

Appelhoffs Saal in der Bruchhöfener Strasse. 54)

Möglicherweise weil Ende 1938 der Mieterschutz für Juden erloschen war, zog die 83-jährige Rieckchen Meyer Anfang 1940 von ihrer Mietwohnung in der Bruchhöfener Strasse 139 (heute 16) zu den Lindenbergs am Engelbergplatz. Dort wohnte sie für ein Jahr und zog dann in das Jüdische Altersheim in Hannover, das kurz danach in ein Judenhaus umgewandelt wurde. 55) (NLA HA, Hann. 210, Acc. 2004/023 Nr. 1258))

Im November 1941, kurz nachdem ihr Wohnhaus am Engelbergplatz verkauft wurde, wurden die Lindenbergs ins Armenhaus nach Hoya umgesiedelt, die sog. Eierburg, die als Judenhaus diente. Ein Zeitzeuge berichtet, dass dabei die Söhne des Nachbarn das inzwischen 67 und 65 Jahre alte Ehepaar aus dem Haus geprügelt haben. 56)

Im Judenhaus wohnten sie bis 1942, und laut Aussage in einem Rückerstattungsprozess seien sie in der Zeit noch zur Beschaffung von Lebensmitteln zu Bekannten nach Homfeld gekommen. Von dort wurden sie über Hannover am 24.7.1942 zusammen mit den anderen Hoyaer Juden im Transport VIII/I nach Theresienstadt deportiert, wo Grete Lindenberg am 31.8.1942 und Emil Lindenberg am 22.11.1942 ermordet wurden. 57) 58)

Transportliste nach Theresienstadt, Grete und Emil Lindenberg, 1942. 59)
Eingangsliste Theresienstadt mit den Namen von Emil und Grete Lindenberg 60)
Todesanzeige Emil Lindenberg, Theresienstadt 1942 61)
Todesanzeige Grete Lindenberg, Theresienstadt 1942. 62)

 

References   [ + ]

1. Meldekarte Samtgemeindearchiv Bruchhausen-Vilsen
2. Hoyaer Wochenblatt 14.11.1896
3. Hoyaer Wochenblatt 30.5.1903
4. Bildrecht Familie Lindenberg, Argentinien
5. Mitteilung Familie Lindenberg
6. Bildrecht Familie Lindenberg, USA
7. Zeitzeugengespräch Frau Mallus-Huth
8. NLA ST, Rep. 171 Verden Rückerstattung, acc. 2009/057 Nr. 369
9. Bildrecht Familie Lindenberg, Argentinien
10. Mitteilung Familie Lindenberg
11. NLA Hann 172, Bruchhausen-Vilsen Acc. 27/73 Nr. 70
12. NLA ST Rep. 171 Verden Rückerstattung acc. 2009/057 Nr. 357
13. Hoyaer Wochenblatt 6.1.1914
14. NLA Hann 172, Bruchhausen-Vilsen Acc. 27/73 Nr. 70
15. Nordhausen, Helmut (2016) Kein Schnee von gestern. Druckhaus Westermann.
16. Hoyaer Wochenblatt 13.8.1924
17. Bildrecht Familie Lindenberg, USA
18. Erich HillmannApmann: Schwarme. Ein Dorf im Nationalsozialismus. Hg.: Heimat-, Umwelt- und Kulturverein „Eule“, Schwarme 2002
19. Siehe z.B. Hoyaer Wochenblatt Regionale Meldungen und Anzeigen: 16.7.1927, 28.7.1932, 26.04.1933, 5.5.1933
20. Wann wird man je versteh’n … : der Weg der Hoyaer Juden bis 1942 / Heike Mallus-Huth ; Hans Huth, Mannheim : VWM-Verl. Wagener, 1992
21. Mitteilung Familie Lindenberg
22. Zeitzeugengespräch Frau Mallus-Huth
23. Bildrecht Familie Lindenberg, Argentinien
24. GemA BVI, 20 Bruchhausen-Vilsen, 20.331.03
25. Mitteilung Familie Lindenberg
26. NLA ST Rep. 171 Verden Rückerstattung acc. 2009/057 Nr. 362
27. NLA ST Rep. 171 Verden Rückerstattung acc. 2009/057 Nr. 361
28. GemA BVI, 20 Bruchhausen-Vilsen, 20.192.01
29. GemA BVI, 20 Bruchhausen-Vilsen, 20.192.01
30. Zeitzeugengespräch 08.2019
31. Han NLA HA, Hann. 210, Acc. 2004/025 Nr. 4241
32. NLA ST, Rep. 171 Verden Rückerstattung, acc. 2009/057 Nr. 646
33. Meldekarten Samtgemeindearchiv Bruchhausen-Vilsen
34. Der Stürmer, 1938-46
35. bei Bomhoff GemA BVI 03 Literatur 50.341.01
36. Hoyaer Wochenblatt 13/14.8.1938
37. NLA ST Rep. 171 Verden Rückerstattung acc. 2009/057 Nr. 359
38. Han NLA HA, Hann. 210, Acc. 2004/025 Nr. 4241
39. NLA ST Rep. 171 Verden Rückerstattung acc. 2009/057 Nr. 358
40. Han NLA HA, Hann. 210, Acc. 2004/025 Nr. 4241
41. NLA HA, Hann. 210, Acc. 2004/025 Nr. 4241
42. Meldekarte Samtgemeindearchiv Bruchhsuen-Vilsen
43. Greve, Hermann (2007) : „ Stolpersteine “ Der Erinnerung einen Namen geben. Informationen zu den achtzehn Syker „Stolpersteinen“. Eine Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Syke. Hrsg.: Stadt Syke.
44. Auskunft Gedenkstätte Buchenwald, Frau Dellemann
45. NLA ST Rep 171a Verden Nr. 589
46. Greve, Hermann (2007) : „ Stolpersteine “ Der Erinnerung einen Namen geben. Informationen zu den achtzehn Syker „Stolpersteinen“. Eine Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Syke. Hrsg.: Stadt Syke.
47. Auskunft Gedenkstätte Buchenwald, Frau Dellemann
48. https://de.wikipedia.org/wiki/Arisierung
49. GemA BVI, 20 Bruchhausen-Vilsen, 25.022.01
50. NLA ST Rep. 171 Verden Rückerstattung acc. 2009/057 Nr. 357
51. Han NLA HA, Hann. 210, Acc. 2004/025 Nr. 4241
52. NLA ST, Rep. 171 Verden Rückerstattung, acc. 2009/057 Nr. 369
53. GemA BVI, 09 Familien, 20.431.01
54. www.ansichtskarten-bruchhausen-vilsen.de 
55. Meldekarte Samtgemeindearchiv Bruchhausen-Vilsen
56. Meldekarte Samtgemeindearchiv Bruchhausen-Vilsen
57. NLA ST Rep. 171 Verden Rückerstattung acc. 2009/057 Nr. 358
58. https://www.holocaust.cz/de/transport/556-viii1-hannover-theresienstadt/
59. https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_nwd_420723.html
60. https://collections.arolsen-archives.org
61. https://www.holocaust.cz/de/transport/556-viii1-hannover-theresienstadt/
62. https://www.holocaust.cz/de/transport/556-viii1-hannover-theresienstadt/