Bahnhofstr. 53 – 1933 bis 1938

Bahnhofstr. 53 – 1933 bis 1938

Ab der Machtübergabe an die NSDAP im Jahr 1933  bis zum Verkauf im September/Oktober 1938 scheint das alte Lindenberg’sche Geschäftshaus in der Bahnhofstr. 53 (alte Hausnummer: 62/63) als Zufluchtsort für jüdische Familien gedient zu haben. Es hatte damit wohl eine ähnliche Funktion wie das Haus der Deichmanns in Hoya. Dadurch sind die Wohnverhältnisse etwas unübersichtlich: 1)

Das Haus befand sich in den 1930er Jahren im Besitz von Emil Lindenberg, dem drittältesten Sohn von Salomon Lindenberg, der im Haus aufgewachsen war. Er wohnte inzwischen am Engelbergplatz 3 und betrieb dort auch seine Praxis (siehe hier) . 2) 3) 4) 

Bis zur Emigration 1936 in die USA war die Familie von Richard Lindenberg, dem zweitältesten Sohn von Salomon Lindenberg, in der Bahnhofstr. 53 gemeldet. Er hatte im Haus die Geschäftsführung der Firma S. Lindenberg zusammen mit seinem Bruder Hugo inne, nachdem der Vater im Ruhestand war (siehe hier). 5) 6)

Das alte Lindenberg’sche Geschäftshaus bei der Kirche, heute Bahnhofstr. Nr 53, um 1900 7)

Ab 1935 kam ausserdem die Familie von Georg Salomon im Haus unter, die vorher zehn Jahre lang das Schuhgeschäft am Engelbergplatz/Ecke Brautstr.1 betrieben hatte. Er zahlte an Emil Lindenberg wahrscheinlich keine Miete, weil er durch die Boykotts gegen jüdische Geschäfte stark geschädigt war (siehe hier). 8) 9)

Auch die Familie von Richards jüngerem Bruder Hugo Lindenberg war anscheinend vor der Emigration übergangsweise wieder im Lindenberg’schen Haus gemeldet, nachdem sie ab ca. 1928 bis mindestens 1936 in der Bahnhofstr. 46 gewohnt hatte. Die Familie emigrierte im Sommer 1938 nach Argentinien (siehe hier). 10) 11)

Emil Lindenberg verkaufte das Haus 1938, die Vertragsunterzeichnung fand im September statt und die Übergabe im Oktober (siehe hier). Georg Salomon und seine Familie zogen zeitgleich nach Hoya um 12) 13) 

Im Jahr 1940 kam ausserdem noch die über achzigjährige Rieckchen Meyer im Haus von Emil Lindenberg am Engelbergplatz 3 unter, nachdem sie ihre Mietwohnung in der Bruchhöfener Strasse verlassen musste (siehe hier). 14) 15)

 

References   [ + ]

1. Auskunft Frau Hornecker, Museum Hoya
2. Adressbuch Bruchhausen-Vilsen 1936
3. Adressbuch Bruchhausen-Vilsen 1940
4. Meldekarten, Samtgemeindearchiv Bruchhausen-Vilsen
5. Meldekarten, Samtgemeindearchiv Bruchhausen-Vilsen
6. Adressbuch Bruchhausen-Vilsen 1936
7. Bildrecht: Familie Lindenberg, Argentinien
8. Meldekarten, Samtgemeindearchiv Bruchhausen-Vilsen
9. Adressbuch Bruchhausen-Vilsen 1936
10. Meldekarten, Samtgemeindearchiv Bruchhausen-Vilsen
11. Adressbuch Bruchhausen-Vilsen 1936
12. NLA HA, Hann. 210, Acc. 2004/025 Nr. 4241
13. Meldekarten, Samtgemeindearchiv Bruchhausen-Vilsen
14. Meldekarten, Samtgemeindearchiv Bruchhausen-Vilsen
15. Adressbuch Bruchhausen-Vilsen 1936